Freiberufler Kooperation

3 gute Gründe warum du als Freiberufler kooperieren musst!

Wir befinden uns 230.000 Jahre vor Christus. Unsere Vorfahren mussten sich in Gruppen zusammenschließen um Tiere erlegen zu können. Das war überlebensnotwendig. Teamwork gibt es also schon seit einigen tausend Jahren. Als reine Einzelkämpfer hatten Menschen nur selten gute Überlebenschancen. In der Geschäftswelt entscheidet die Kooperationsfähigkeit zwar nicht mehr über Leben und Tod, wohl aber über Erfolg und Misserfolg. Kooperationen sind auch heute wichtig. Einige Berufszweige unter Freiberuflern kooperieren nur selten. Viele bestreiten die freiberufliche Tätigkeit als Einzelkämpfer. Dabei bietet die Kooperation unter Freiberuflern riesige Chancen.

Kosten sparen

Ein tolles Beispiel von Kooperationsfähigkeit unter Freiberuflern bilden in meinen Augen viele Steuerberater und Rechtsanwälte. Einige haben sich in Kanzleien und Partnerschaftsgesellschaften zusammengeschlossen und können ihre Kostenstruktur deutlich optimieren und gleichzeitig den Service erhöhen. So teilen sich fünf Kanzleipartner ein Sekretariat, welches gut telefonisch erreichbar ist, ein Büro, Corporate Design, Logo, Kosten für Internet und Telefon etc. Als Einzelkämpfer trägst du die ganzen Kosten alleine. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass du ein paar Einschränkungen in Kauf nimmst, weil du dir schlicht und einfach kein eigenes Sekretariat, kein professionelles Corporate Design usw. leisten wirst. In einer Kooperation hast du beides. Geringere Ausgaben bei besserer Servicequalität.

Chancen verbessern

Für viele Freiberufler ist das persönliche Netzwerk für die unternehmerische Tätigkeit überlebensnotwendig. Aufträge für hoch individualisierte Dienstleistungen entstehen auch im digitalen Zeitalter öfter über persönliche Kontakte als über ein Kontaktformular auf der Website. Mit einer Kooperation kannst du dein Netzwerk auf einen Schlag deutlich ausbauen und die Kontakte deines Partners nutzen. Durch die Verbindungen meines ehemaligen Geschäftspartners hatte ich beispielsweise kurz nach Gründung meiner freiberuflichen Tätigkeit die Möglichkeit, einen grafischen Auftrag für RedBull zu bearbeiten. Eine solche Referenz ebnet den Weg für künftige Aufträge. Geschäftspartner öffnen dir mit ihrem Netzwerk die Tür zu neuen interessanten Menschen und Geschäftsbeziehung. Selbstverständlich muss das auch für deinen Kooperationspartner in umgekehrter Richtung gelten. Mit jedem neuen Partner erweiterst du dein Netzwerk und somit deine unternehmerischen Möglichkeiten.

Ausfallrisiko minimieren

Bei einem Fußballspiel ist ein Durchlauf von der eigenen Hälfte zum gegnerischen Tor fasst unmöglich. Dazwischen sind Pässe notwendig um ein Tor zu erzielen. Die Gewissheit z.B. in einer Krankheitsphase ein Projekt an einen Partner abgeben zu können ist ein wahrer Segen. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls ist auch für deine Kunden, insbesondere für Großkunden ein wichtiges Kriterium bei der Auftragsvergabe.

Ein kleines Beispiel: Du bist als freiberuflicher Grafikdesigner in einem Pitch gegen eine Agentur, die mit einem fünfköpfigen Team antritt. Für ein Unternehmen soll eine Werbekampagne in nur zwei Monaten erstellt werden. Genau wie die Agentur, garantierst auch du, dass die Kampagne rechtzeitig fertig wird.

Nun wechselst du den Stuhl. Du entscheidest, welcher der Bewerber die Kampagne umsetzen darf. Team oder Einzelunternehmer? Wird die Kampagne nicht rechtzeitig fertig, muss das Unternehmen hohe Verluste tragen, weil die entsprechenden Werbeplätze schon gebucht sind. Das würde deinem Chef gar nicht gefallen. Entscheidest du dich nun für den freiberuflichen Einzelunternehmer, oder für das Team bei dem das Ausfallrisiko lediglich bei einem Fünftel liegt?

Warum Freiberufler nicht kooperieren

Schon in der Schule werden wir zu Einzelkämpfern erzogen. Aufgaben müssen in Klassenarbeiten alleine gelöst. Gruppenarbeiten machen meist nur einen geringen Anteil der Bewertung im Jahreszeugnis aus. Über viele Jahre ist in uns die Mentalität des Einzelkämpfers gereift, obwohl es nicht der Natur des Menschen entspricht. Um als Freiberufler erfolgreich zu sein, müssen wir diese Mentalität ablegen. Wir neigen oft dazu alles zu 100% kontrollieren zu wollen und alle Entscheidungen selbst zu treffen. Wir wollen uns von niemandem reinreden lassen. Das Alles sind logische Argumente, aber gleichzeitig berauben wir uns um die großartigen Chancen die Kooperationen bieten. In einer Kooperation können wir Ressourcen teilen, Risiken minimieren, Kompetenzen ausweiten, Krisen besser überwinden und in der Summe mit einem deutlich besseren Angebot beim Kunden glänzen.

von Ralf
Seit Abschluss seines Designstudiums im Jahr 2009 ist Ralf erfolgreich als freiberuflicher Designer tätig. Daneben ist er Autor des Blogs freiberufler-werden.de.

1 Kommentar

  1. Antworten

    Ja, Ralf, ich stimme 100 %ig mit Dir überein. Seit über 30 Jahren begleite ich Unternehmen im Wandel, spezielle die Druck- & Medienindustrie. Ich kann bestätigen, dass auch dort die meisten Probleme auf mangelnde Kooperation fußen.

    Was jetzt als Branchen- und Strukturkrise beklagt wird, war absehbar seit vielen Jahrzehnten. Meine Strategie- und Arbeitskreise waren schon vor über 10 Jahren als kooperative Kreise angelegt. Und immer wollten die Teilnehmenden ein Vetorecht bei Neuzugängen. Schlimmer noch: Selbst als die Kreise mehr und mehr schrumpften gaben die Verbliebenen zu: ‚Ich empfehlen diese Kreise nicht weiter, weil ich den Wettbewerbsvorteil für mich alleine nutzen möchte.‘

    Heute erhebe ich die Kooperation zur obersten Prämisse und gehe dabei noch weiter: Kooperation und Kommunikation über Unternehmens-, Branchen- und Hierarchie-Grenzen hinaus. Nur so wirkt Gruppenintelligenz wirklich und werden Expertenfehler (Inzuchtwissen) vermieden.

    Danke für Dein Plädoyer.
    Tom

    Zitat von Kofi Annan UN‐Generalsekretär: „Zur friedlichen Zusammenarbeit gibt es keine Alternative. Das 21. Jahrhundert ist das Zeitalter der Kooperation.“

Kommentar verfassen