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10 Fragen, die ich mir stellte, bevor ich als Freiberufler tätig wurde.

Freiberufler werden ist nicht schwer. Zumindest formell. Es reicht eine kurze Anmeldung beim Finanzamt. Viel schwieriger ist es die Komfortzone des Angestelltendaseins zu verlassen und über Jahre hinweg als Freiberufler wirtschaftlich erfolgreich am Markt bestehen zu können. Das erfordert viel Mut, Eigenverantwortung, Disziplin, Motivation und Hingabe.

Ich kenne beide Seiten. Im Vergleich zum Angestelltenverhältnis waren viele Arbeitsstunden für mich als Freiberufler unbezahlt. Ich spreche nicht von der Arbeitszeit an Kundenaufträgen. Vielmehr waren es die unbezahlten Stunden für Akquise, Werbemaßnahmen, Finanzen usw.

Bei Misserfolgen konnte ich nicht mehr die Schuld beim Chef, bei Kollegen oder in der Unternehmensstruktur suchen. Die Kritik richtete sich bei Fehlern direkt gegen mich. Auch Seminare zur Weiterbildung muss ich als Freiberufler nun aus eigener Tasche zahlen. UND – Für viele das wichtigste Argument einer Festanstellung. Der regelmäßige Gehaltseingang.

Privilegien für Angestellte

Es ist also nicht leicht diese Komfortzone zu verlassen. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Mein ehemaliger Arbeitgeber bot mir beispielsweise

  • ein großzügiges monatliches Gehalt
  • einen unbefristeten Vertrag
  • Betriebsrente
  • Arbeitszeit auf Vertrauensbasis
  • Weihnachts- und Urlaubsgeld
  • Betriebsausflüge
  • bezahlte Seminare und Urlaubstage zur Weiterbildung
  • Vermögenswirksame Leistungen
  • gratis Getränke und Obst am Arbeitsplatz
  • last but not least: Nette Kollegen

Klingt doch alles nicht schlecht, oder? Viele meiner ehemaligen Kollegen arbeiten immer noch sehr gerne dort. Trotzdem beschäftigte ich mich ständig mit meiner Zukunft als Freiberufler.

10 Fragen, die ich mir stellte, bevor ich Freiberufler wurde.

Bevor ich den Job kündigte stellte ich mir wichtige Fragen zu meiner Zukunft als Freiberufler.

  1. Warum möchte ich (trotz aller Vorteile) nicht mehr als Angestellter arbeiten?
  2. Kann ich auch ohne regelmäßiges Einkommen ruhig schlafen?
  3. Bin ich bereit mehr Eigenverantwortung zu übernehmen?
  4. Werde ich mit echter Leidenschaft als Freiberufler arbeiten?
  5. Besitze ich genügend Rücklagen, um mind. sechs Monate ohne Zahlungseingang überbrücken zu können?
  6. Sind meine Fachkenntnisse ausreichend, um potenziellen Kunden mit meinen Leistungen einen deutlichen Mehrwert bieten zu können?
  7. Verfüge ich neben meinen Fachkenntnissen auch über unternehmerische Fähigkeiten?
  8. Bin ich bereit Zeit und Geld in meine Weiterbildung zu investieren?
  9. Steht meine Familie bzw. mein Lebenspartner hinter dieser Entscheidung?
  10. Warum sollen Kunden ausgerechnet mich beauftragen?

Manche Fragen konnte ich relativ schnell beantworten. An anderen Fragen grübelte ich mehrere Tage und Wochen.

Warum den goldenen Käfig verlassen?
Privilegien als Freiberufler

Zahlreiche Argumente sprechen also für das Angestelltendasein. Warum lohnt es sich trotzdem als Freiberufler tätig zu sein? Darauf hat jeder eine ganz individuelle Antwort. Meine Antwort lautet schlicht und einfach – Freiheit –.

Freiheit ist ein sehr mächtiges Wort. Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Auch eine Tätigkeit als Freiberufler ist kein Garant für Freiheit. Beispielsweise kann eine gute telefonische Erreichbarkeit die Freiheit zur freien Arbeitszeiteinteilung erheblich einschränken. Auch die Entscheidungsfreiheit, ob ich einen Auftrag annehme oder nicht, hängt oft maßgeblich von der eigenen finanziellen Situation ab.

Natürlich gab es auch bei mir Phasen in denen ich als Freiberufler nicht wirklich frei agieren konnte. Das galt insbesondere in meiner Anfangsphase. Für mich war jedoch immer nur entscheidend, welche Möglichkeiten und Chancen mir eine freiberufliche Tätigkeit bietet.

Chancen einer freiberuflichen Tätigkeit:

  • Arbeitszeit frei bestimmen
  • Arbeitsort frei wählen
  • Entscheidungsfreiheit bei der Auftragsannahme
  • größeren Einfluss auf die Höhe meines Einkommens
  • Gestaltungsspielraum bei Kranken- und Rentenversicherung

Fazit

Dieser Beitrag hat ein klares Ziel. Er soll dich zum Nachdenken anregen, falls du mit dem Gedanken spielst eine Tätigkeit als Freiberufler zu starten. Vielleicht erkennst du nach reiflicher Überlegung, dass ein Leben als Angestellter einfach besser zu dir passt. Auch das ist vollkommen okay solange du mit dieser Entscheidung glücklich bist. Solltest du den Weg in die freiberufliche Tätigkeit trotz aller Hindernisse einschlagen, so möchte ich dir abschließend zu diesem Beitrag noch ein kleines Zitat mit auf den Weg geben: „Das Schiff ist im Hafen sicher, doch dafür wurde es nicht gebaut.“

Welche Fragen stellst du dir vor deinem Start in die freiberufliche Tätigkeit? Schreibe in die Kommentare und teile deine Gedanken mit anderen Freiberuflern!

von Ralf
Seit Abschluss seines Designstudiums im Jahr 2009 ist Ralf erfolgreich als freiberuflicher Designer tätig. Daneben ist er Autor des Blogs freiberufler-werden.de.

2 Kommentare

  1. Antworten

    Danke für die gute Darstellung der Vor- und Nachteile. Nur bei dem Punkt Kranken- und Rentenversicherung: für freiberufliche Coaches und Trainer ist die Freiheit nicht immer gegeben. Gesetzliche Rentenversicherung ist hier Pflicht und wer schon als Angestellter privat krankenversichert war kommt nicht mehr so einfach in die GKV zurück… Aber die Freiheit ist für mich trotzdem der wichtigste Grund für die Selbststaendigkeit.

  2. Antworten

    Toller Beitrag und gute Überlegungen. Kann ich guten Gewissens weiterempfehlen. Ich bin seit 20 Jahren Freiberufler/Selbstständige und bereue, trotz etlicher Schieflagen ,kargen Zeiten und immer wiederkehrender Existenzängste, nicht eine Sekunde diese Entscheidung getroffen zu haben. Denn ich, „Schiff“ bin auch nicht für den Hafen geboren. Mittlerweile liegt mein Schiff gut im Wind! 😉

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