digitale Produkte verkaufen

Grauzone: Digitale Produkte verkaufen als Freiberufler

Digitale Produkte verkaufen im Internet. Immer mehr Freiberufler generieren durch digitale Produktverkäufe Einnahmen. Diese Onlineverkäufe in Form von E-Books, Templates oder Apps bieten uns ein planbares Grundeinkommen. Ich biete Symbole und Icons zum Verkauf an wie ich im Beitrag „Verflixte Umsatzplanung: 3 Strategien für ein planbares Grundeinkommen“ bereits erwähnt habe. Die Angst ist bei vielen Freiberuflern jedoch groß, dass digitale Produktverkäufe zu einer gewerblichen Tätigkeit führen und die Privilegien als Freiberufler gegenüber dem Finanzamt verloren gehen.

Um Ärger mit dem Finanzamt zu vermeiden solltest du deshalb beim Verkaufen deiner digitalen Produkte ein paar Dinge beachten. In diesem Beitrag möchte ich die wichtigsten Fragen klären.

Beachte: Ich habe mir große Mühe gegeben alle Aussagen mit Quellen zu belegen und einige Fragen durch meinen Steuerberater klären lassen um dir hier keine falschen Information zu vermitteln. Trotzdem bin ich kein Steuerberater und möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Beitrag keine Rechts- oder Steuerberatung liefert bzw. ersetzt. Dieser Beitrag hat das Ziel dir bei der Klärung deiner Situation einen ersten Anhaltspunkt zu geben.

Ich möchte digitale Produkte verkaufen. Muss ich dazu als Freiberufler eine gewerbliche Tätigkeit anmelden?

Welche Einkünfte einer gewerblichen Tätigkeit zuzurechnen sind regelt das Einkommensteuergesetz EStG §15. Da digitale Produktverkäufe eine Teilnahme am allgemeinen Wirtschaftsverkehr darstellen sind diese Erlöse grundsätzlich einer gewerblichen Tätigkeit zuzurechnen. Allerdings befindet sich in Absatz 2 des o.g. Paragraphen die folgende interessante Definition:

„Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist.“

Das heißt im Klartext: Digitale Produktverkäufe führen nicht zwangsläufig zu einer gewerblichen Tätigkeit, wenn der eigene Beruf zu den freien Berufen zählt.

In meinem konkreten Fall sind die Erlöse aus den verkauften Icons somit keine Einnahmen aus gewerblicher Tätigkeit. Das habe ich auch nochmal durch meinen Steuerberater klären lassen.

Wichtig ist jedoch, dass die digitalen Produkte zu 100% selbst erarbeitet wurden und keine Elemente von Dritten enthalten. Ansonsten würde man auch diese Elemente weiterverkaufen und Handel betreiben. Dann wäre es eine gewerbliche Tätigkeit.

Gibt es Einkommensgrenzen?

Falls die digitalen Produktverkäufe wie oben beschrieben keiner gewerblichen Tätigkeit unterliegen, gibt es im Rahmen der freiberuflichen Tätigkeit nach meinem Wissen keine Einkommensgrenze.

Wenn schlimmstenfalls die digitalen Produktverkäufe vom Finanzamt als gewerblich angesehen werden und auf deine freiberufliche Tätigkeit „abfärben“ unterliegen alle Erträge der Gewerbesteuer. Diese wird aber erst berechnet, wenn die Erträge aus gewerblicher Tätigkeit über dem Freibetrag von 24.500 EUR steuerfrei (Nachweis) liegen. Aus steuerlicher Sicht ist es also bis zu diesem Freibetrag egal ob deine Tätigkeit beim Finanzamt als gewerblich oder freiberuflich geführt wird.

Auch wenn es bis zu diesem Freibetrag steuerlich keinen Unterschied macht ob du freiberuflich oder gewerblich Tätig bist, solltest du trotzdem alles daran setzen als Freiberufler geführt zu werden. Im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit fallen nämlich auch IHK Beiträge an. Außerdem ist man ab einem gewissen Umsatz zu Bilanzierung gezwungen. Das macht die Buchhaltung teuer und aufwändig.

Digitale Produktverkäufe und die Künstlersozialkasse

Ein Problem mit der Künstlersozialkasse (KSK) gibt es nur, wenn die digitalen Produktverkäufe nicht der freiberuflichen Tätigkeit zuzuordnen sind. Z.B. wenn sich innerhalb des Produkts Teile von Dritten befinden. Liegen in diesem Falle die Einnahmen über der von der KSK definierten Geringfügigkeitsgrenze (5.400 EUR Stand 04.10.2016) hat das Folgen für die soziale Absicherung. Dann ist nur noch die gesetzliche Rentenversicherung innerhalb der KSK möglich, nicht jedoch Kranken- und Pflegeversicherung. Hilfreich ist hierzu der Absatz „Mehr als nur geringfügige selbstständige Nebentätigkeit“ im Dokument der KSK „Versicherung bei der KSK trotz (Neben-) Job?

Wenn man gleichzeitig eine freiberufliche Tätigkeit ausübt und ein Gewerbe angemeldet hat, wonach richten sich dann die Versicherungsbeiträge?

Die Versicherungsbeiträge errechnen sich auf Basis des Gesamteinkommens. Bei einer gleichzeitigen Tätigkeit als Freiberufler und Gewerbetreibender werden beide Einkünfte miteinander addiert. Deren Summe ist die Berechnungsgrundlage für den Versicherungsbeitrag.

Wie verrechnet man die Umsatzsteuer für digitale Produkte, wenn sie weltweit verkauft werden (außerhalb Deutschlands/der EU)?

Für Erlöse aus digitalen Produktverkäufen im EU-Ausland fällt in der Regel eine Quellensteuer an. Diese wird direkt vom Anbieter des Marktplatzes abgeführt. Die digitalen Produkte unterliegen dann nicht der Umsatzsteuer.

Fazit

Einnahmen durch digitale Produktverkäufe werden für viele Freiberufler zu einem immer wichtigeren Thema. Durch den Verkauf digitaler Produkte machen wir unsere Einnahmen planbarer und können uns als Freiberufler ein Grundeinkommen sichern. Bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, dass digitale Produkte verkaufen in Kombination mit einer freiberuflicher Tätigkeit gesetzlich nicht eindeutig geklärt ist. Deshalb solltest du bei Unklarheiten einen Steuerberater aufsuchen, um deine konkrete Situation zu klären wenn du digitale Produkte verkaufen möchtest.

Ich hoffe dieser Beitrag war für dich hilfreich und freue mich über deinen „Like“.

 

von Ralf
Seit Abschluss seines Designstudiums im Jahr 2009 ist Ralf erfolgreich als freiberuflicher Designer tätig. Daneben ist er Autor des Blogs freiberufler-werden.de.

3 Kommentare

  1. Antworten

    Sehr hilfreicher Beitrag! Weiter so!
    Auch schön zu sehen, dass Themenvorschläge wirklich umgesetzt werden 🙂

  2. Antworten

    Wie sieht es denn aus, wenn ich Produkte einer Plattform zu Verfügung stelle und gar nicht selbst der Verkäufer bin? Diese Plattform verkauft Lizenzen von denen ich einen Anteil erhalte.

  3. Antworten

    Bei mir ist das genauso. Laut meinem Steuerberater fällt das in den Rahmen der freiberuflichen Tätigkeit.

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