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Logodesign für 5$: Preisdumping im Internet

Auf Internetportalen wie z.B. Fiverr können Freiberufler weltweit ihre Dienstleistungen anbieten. Jede Dienstleistung startet bei unglaublichen 5$. Für 5$ gibt es Logodesign, Layouts und sogar kleine Videoproduktionen. Wie kann das funktionieren? Was bedeuten solche Preise für uns als Freiberufler? Wie gut ist die Qualität der angebotenen Leistungen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden habe ich Fiverr getestet und ein paar ausgewählte Dienstleistungen zu Testzwecken geordert. Die Ergebnisse möchte ich dir in diesem Beitrag zeigen.

Warum sind die Dienstleistungen so günstig?

Viele Anbieter kommen aus China, Indonesien oder Bulgarien. Die angebotenen Dienstleistungen sind günstiger, weil wir über die weltweite Vernetzung auch mit ausländischen Anbietern mit deutlich geringerem Lohnniveau in Wettbewerb treten.

Gibt es auch deutsche Anbieter?

Ja, die gibt es. Bei Fiverr gibt es nicht nur Dienstleister aus Niedriglohnländern. Für deutsche Anbieter ist es natürlich schwierig mit 5$ den Lebensunterhalt und laufende Ausgaben zu decken. Anbieter aus Europa oder USA setzen deshalb verstärkt auf sogenanntes Upselling. Aufgrund der Firmenpolitik von Fiverr, muss jedes Basisangebot bei 5$ liegen. Es gibt jedoch die Möglichkeit den Auftrag zu erweitern (Upselling).

Ein konkretes Beispiel für ein Logodesign:

Das Basisangebot:

Individuelles Logo als JPG Datei mit 12 Tagen Bearbeitungszeit für 5$

Zusatzoptionen (Upselling)

  • schnellere Bearbeitungszeit z.B. nur 5 Tage statt 12 Tage + 20$
  • Lieferung als Vektorgrafik (eigentlich Standard bei Logos) + 45$
  • Weitere Korrekturläufe je + 15$

Als Unternehmer ist man schlecht beraten ein Logo nicht als Vektorgrafik und ohne Korrekturläufe in Auftrag zu geben. Eine halbwegs vernünftige Dienstleistung kostet also auch bei Fiverr ein Vielfaches der angepriesenen 5$.

Die Qualität der Dienstleistungen

Zu Recherchezwecken habe ich drei Dienstleistungen geordert. Der kleine Test hat meine Erwartungen bestätigt. Wirklich zufriedenstellend war für mich keines der Ergebnisse. Die gelieferten Leistungen sind wenig individuell. Logos stammen größtenteils aus Grafikportalen in denen lediglich der Unternehmensname geändert wurde. Einige Angebote auf Fiverr können dem eigenen Unternehmen sogar erheblichen Schaden zufügen. So hat Amazon beispielsweise im Oktober 2015 schon rechtliche Schritte gegen Anbieter bei Fiverr eingeleitet (Quelle: „The Guardian“).

Wie schädlich die angebotenen Dienstleistungen für die eigenen Unternehmungen sein können zeigen folgende drei Beispielangebote:

Angebot 1: Logodesign für 5$

Stammt der Ursprung des Logos aus anderen Grafikportalen (Stock Content) so kann es zu nutzungsrechtlichen Problemen kommen. Es muss nicht zwingend so sein, aber die Verlockung ein Template zu verwenden ist für die Anbieter bei dieser Preispolitik doch ziemlich groß. Wird das Logodesign für eine Marke verwendet kann es sein, dass das Markenamt die Eintragung wegen fehlender Unterscheidbarkeit ablehnt. Die Gebühren von mindestens 300,- EUR zur Eintragung der Marke sind dann verloren. Gibt es einen Anbieter der ein ähnliches Logo hat und dieses früher beim Markenamt eingetragen hat kann er eine Unterlassungsklage einreichen. Dann wird es richtig teuer.

Angebot 2: 500 Likes auf Facebook für 5$

Mit einer Test-Facebook-Seite habe ich dieses verlockende Angebot ausprobiert. Tatsächlich haben 500 Personen die Testseite mit „Gefällt mir“ markiert. Nach einer Woche kam dann die Ernüchterung. Facebook hat erkannt, dass es sich um Fake-Profile handelte und von den 500 „Gefällt mir“ Angaben 496 wieder gelöscht. Effektiv blieben nur vier Personen, die die Testseite dauerhaft mit „Gefällt mir“ markiert haben. Allerdings ist es mehr als fraglich ob diese Personen auch zur Zielgruppe gehörten. Schaltet man auf Facebook eine Kampagne erhält man einen Like aus der gewünschten Zielgruppe für ca. 0,25 EUR. Bei Fiverr hat mich das nach Abzug der Fake-Profile ca. 0,80 EUR gekostet. Anschließend erhielt ich eine Meldung von Facebook, dass meine Seite angegriffen wird.

Angebot 3: 1.000 Besucher auf deiner Website für 5$

Viele Websitebetreiber versprechen sich durch hohe Klickraten entsprechend bessere Platzierungen in Suchmaschinen. Auch sogenannte Backlinks werden angeboten. Die Qualität der Backlinks und der Klicks waren bei der von mir getesteten Leistung wirklich miserabel. Die Klicks kamen aus den unterschiedlichsten Ländern. Die Absprungrate lag bei nahezu 100%. Ich habe dieses Angebot bewusst nur für eine Testseite in Anspruch genommen. Erkennt Google solche Maßnahmen zum promoten der eigenen Website ist die Gefahr groß komplett aus den Suchergebnissen zu fliegen. Für den Betreiber eines Onlineshops kann das tödlich sein.

Fazit:

Individuelle auf den Kunden zugeschnittene Dienstleistungen und direkte Kommunikation sind nach wie vor unser Markenzeichen als Freiberufler. Das kann kaum ein Anbieter bei Fiverr zum Preis von 5$ bieten. Das wissen auch die Auftraggeber.

Nun interessiert mich deine Meinung. Was hältst du von solchen Angeboten?

von Ralf
Seit Abschluss seines Designstudiums im Jahr 2009 ist Ralf erfolgreich als freiberuflicher Designer tätig. Daneben ist er Autor des Blogs freiberufler-werden.de.

1 Kommentar

  1. Antworten

    Ich habe fiverr vor paar Tagen zum ersten Mal genutzt. Ich hatte einen Text auf Englisch, und brauchte einen Korrekturleser. Der erste Korrekturleser antwortete nicht auf meine Bestellung, meine 5 Dollar bekam ich nach Verstreichen der 24h Frist sofort zurück. Mit der zweiten Bestellung hatte ich mehr Glück, der Text wurde innert 24h korrigiert geliefert, sogar mit nützlichen Kommentaren, ich war rundum zufrieden.

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