Nebenberuflich Freiberufler

Nebenberuflich Freiberufler: Ist das zu empfehlen?

Seit einigen Jahren führe ich meine freiberufliche Tätigkeit in Vollzeit aus. Das war nicht immer so. In den ersten beiden Jahren war ich nebenberuflich Freiberufler. Neben meiner freiberuflichen Tätigkeit hatte ich eine halbe Stelle in Festanstellung. Daraus ergaben sich viele Vorteile, aber auch einige Nachteile für die Entwicklung meiner freiberuflichen Tätigkeit. In diesem Beitrag möchte ich dir meine persönlichen Vor- und Nachteile zeigen.

Vorteile

  • Die monatlichen Gehaltseingänge des Arbeitgebers verschafften mir insbesondere in der Gründungsphase ein gutes Maß an finanzieller Sicherheit. Durch die Gehaltszahlungen konnte ich die notwendige Startinvestitionen für meine freiberufliche Tätigkeit viel einfacher finanzieren und Liquiditätsreserven sichern. Bevor ich meine freiberufliche Tätigkeit in Vollzeit ausübte hatte ich mir Rücklagen für insgesamt ein halbes Jahr aus meinen Gehaltseingängen zur Seite gelegt.
  • Ein weiterer erheblicher Vorteil war, dass sämtliche Krankenkassenbeiträge aus meiner Festanstellung gedeckt waren. D.h. als ich nebenberuflich Freiberufler war, musste ich aus dieser selbstständigen Tätigkeit keine zusätzlichen Beiträge an die Krankenkasse abführen. Das kann pro Monat mehrere hundert Euro ausmachen. Wichtig: mindestens 50% des Einkommens müssen dazu aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung stammen.

Nachteile

  • Besonders nachteilig fand ich die Einschränkungen bzgl. meiner Erreichbarkeit. Ich laufe nicht ständig mit meinem Smartphone durch die Gegend und checke auch nicht ständig meine Mails. Aber in Situationen, in denen ein Anruf eines Kunden einging und gleichzeitig ein vom Arbeitgeber organisiertes Meeting stattfand war ich ziemlich angespannt. Diese Situationen lassen sich jedoch kaum vermeiden, wenn du nebenberuflich als Freiberufler arbeitest.
  • Erfolgreiche Menschen fokussieren sich auf eine ganz bestimmte Sache. Das hat mir auch die Lektüre The Power of Focus* nochmal verdeutlicht. Im Rahmen einer Festanstellung fiel es mir deutlich schwerer den Fokus auf meine freiberufliche Tätigkeit zu lenken. Besonders in stressigen Projektphasen innerhalb meiner Festanstellung könnte ich mich deutlich weniger auf die Entwicklung meiner freiberuflichen Tätigkeit konzentrieren.
  • Monatliche Zahlungseingänge vom Arbeitgeber sind ein feine Sache. Gefährlich wird es, wenn man sich daran gewöhnt und dadurch nie den Absprung in die Selbstständigkeit schafft. Der Wechsel kann hart sein. Gehaltszahlungen fallen weg und Sozialversicherungsbeiträge müssen nun durch die freiberufliche Tätigkeit gedeckt werden. Trotzdem musste ich diese Komfortzone verlassen. Ich bin mir sicher, dass ich es im Alter bereuen werde wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte zu 100% selbstständig zu sein.

Bist du nebenberuflich Freiberufler?

Nun würde mich deine Situation brennend interessieren. Bist du nebenberuflich Freiberufler, oder hast du den Absprung schon geschafft? Was sind deine persönlichen Vor- und Nachteile?


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von Ralf
Seit Abschluss seines Designstudiums im Jahr 2009 ist Ralf erfolgreich als freiberuflicher Designer tätig. Daneben ist er Autor des Blogs freiberufler-werden.de.

3 Kommentare

  1. Antworten

    Hi Ralf,

    ich war früher auch nebenberuflich selbstständig, bevor ich mich hauptberuflich selbstständig gemacht habe. Der Vorteil ist wirklich, dass du testen kannst, ob das was für dich ist und du kannst dir einen ersten Kundenstamm aufbauen. Bei mir war die Nebenberuflichkeit erst in so kleinem Umfang, dass ich damit keinen Stress hatte. Irgendwann hatte ich nebenbei einen Job, der mir sehr viel abverlangt hat. Ich glaube, wie bei der hauptberuflichen Selbstständigkeit muss man da das richtige Maß finden. Was ich sehr interessant finde und worüber es kaum Informationen gibt, ist das nebenberufliche Angestelltendasein …

    Viele Grüße
    Daniel

  2. Antworten

    Hi Ralf,

    ich bin gerade in der Situation, in der du früher warst: Ich habe mich nach dem Studium direkt selbständig gemacht und arbeite nebenher in Festanstellung. Für mich hat diese Situation eigentlich nur Vorteile, vor allem weil ich in der Festanstellung genau das mache, was ich auch freiberuflich mache. Die finanzielle Sicherheit ist sicherlich ein großer Vorteil und ein genauso großer Vorteil in meinem Falle ist, dass ich sehr viel lerne.

    Ein ganz kleiner Nachteil: ich erliege ein wenig der Bequemlichkeit ;). Man hat auf jeden Fall weniger Druck, sein eigenes Geschäft zum Laufen zu bringen. Da habe ich aber einen kleinen Trick gefunden: Sich Freizeitaktivitäten suchen, die man immer schon mal machen wollte, aber für die man bisher kein Geld hatte. Man lebt schließlich nur einmal und niemand weiß wie lange. Also sollte man alles versuchen, um sich seine Träume so schnell wie möglich zu verwirklichen … und dafür braucht man Geld. Und wenn man mehr Geld braucht, muss man sein Geschäft zum Laufen bringen ;).

    Motivation ist alles! 🙂

    Liebe Grüße
    Mara

  3. Antworten

    Liebe Mara,

    vielen Dank für deinen Kommentar! Geld verdienen um Träume zu verwirklichen ist in der Tat sehr motivierend. Das mache ich zum Teil auch so 🙂

    Liebe Grüße,
    Ralf

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