Sicherheit-Freiberufler

Warum viele Freiberufler sicherer Leben als Angestellte

Moment mal! Eine freiberufliche Tätigkeit soll sicher sein? Es fehlt doch das regelmäßige Einkommen. Wie soll ich meine monatlichen Verbindlichkeiten und Lebenshaltungskosten decken? Wie kann ich da überleben? Mit dem Wechsel in eine freiberufliche Tätigkeit gibst du keine Sicherheit auf. Ganz im Gegenteil. Du gewinnst an Sicherheit. Warum das so ist, möchte ich dir in diesem Beitrag zeigen.

Die Worte „Sicherheit“ und „freiberufliche Tätigkeit“ werden in unserer heutigen Gesellschaft nur selten kombiniert. Viel zu groß ist die Angst, am Ende des Monats kein Festgehalt auf dem Kontoauszug zu finden. Da ein überproportional großer Anteil unserer Gesellschaft aus Arbeitnehmern besteht, wird diese Angst entsprechend multipliziert.

Es gibt 42,415 Millionen Erwerbstätige in Deutschland. Nur ca. 10% sind selbstständig.

Selbstständige: 10,23% / Arbeitnehmer: 89,77%

* Angaben in Mio.; Stand Q1 2015
Quelle: Statistisches Bundesamt

Der Verlust der festen Einnahmequelle ist meist das stärkste Argument gegen eine freiberufliche Tätigkeit. Bei Licht betrachtet bedeutet dies, dass Träume, Leidenschaften, Visionen, Selbstverwirklichung und Freiheit dem Geld untergeordnet werden. Das ist sehr bedenklich und trägt zum Stillstand unserer Gesellschaft bei. All das, weil viele sich durch Ängste leiten lassen. Die größte Angst ist oft der Wegfall des monatlichen Gehalts und der damit vermeintlich verbundene Verlust der Sicherheit.

Der Irrtum

Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass Angestellte sich lediglich auf eine Einkommensquelle stützen? Dazu ein Beispiel: Du erbst 100.000 EUR, die du gut verzinst anlegen möchtest. Du entscheidest dich für Aktien. Würdest du den gesamten Betrag in die Aktien eines Unternehmens investieren? Sicherer wäre es wohl, die Aktien unterschiedlicher Unternehmen zu kaufen. Meldet eines davon Insolvenz an, hättest du immer noch einen großen Teil deines Vermögens. Im anderen Szenario ist die gesamte Kohle weg. Aus Sicherheitsgründen wäre es also völlig hirnrissig, alles auf die Aktien eines Unternehmens zu setzen. Beim Einkommen verhalten sich aber die meisten Menschen genau so. Das schlimmste daran: Viele verkaufen diesen Lebensstil als sicherer!

Was heißt das in der Praxis?

Bei Geldanlagen spricht man von „Diversifikation“, ein Begriff aus der Wirtschaftswissenschaft. Dabei werden Risiken verteilt, um Vermögen zu sichern. Was das mit Karriere zu tun hat, möchte ich an folgenden Beispielen zeigen:

Beispiel 1:

Anne arbeitet in einer Werbeagentur. Jeden Monat erhält sie pünktlich 2.000 EUR Nettogehalt. Durch gravierende Fehler ihrer Vorgesetzten hat die Agentur einen wichtigen Kunden verloren. Um eine Insolvenz der Agentur abzuwenden, entscheiden sich die Manager, Personal abzubauen, um Kosten zu sparen. Leider muss auch Anne gehen. Obwohl sie die letzten 10 Jahre der Agentur treue Dienste erwiesen hat und sie keinerlei Schuld am Verlust des Kunden trägt, wird sie gekündigt und verliert ihre einzige Einnahmequelle. Sie muss sich neu bewerben. Weil es in ihrer Umgebung nur wenige Jobs gibt, muss sie in eine andere Region ziehen. Ihre Freunde sieht sie nur noch selten. Auch die hübsch eingerichtete Eigentumswohnung muss sie vermieten oder verkaufen, da die Entfernung zum neuen Arbeitgeber zu groß ist.

Beispiel 2:

Sabine arbeitet selbstständig als Designerin. Sie konnte nach ihrem Start in die Selbstständigkeit im letzten Jahr mühevoll fünf Kunden gewinnen. Ihre Aufgabe ist die Gestaltung von Newslettern, welche monatlich erscheinen. Nach Steuer und Abzügen bleiben ihr im Schnitt 400 EUR pro Kunde, insgesamt also ebenfalls ca. 2000 EUR monatlich. Bei einem ihrer Kunden läuft das Geschäft schlecht. Der Kunde beschließt die Newsletter einzustellen. Sabine verliert den Kunden. Ihr bleiben pro Monat noch 1.600 EUR. Bis sie einen neuen Kunden gefunden hat wird sie vielleicht Einschnitte bei ihrer Lebenshaltung hinnehmen müssen. Sie hat jedoch immer noch ein solides Grundgehalt und kann in ihrer Region bleiben, in der sie sich heimisch fühlt und viele Freunde gewonnen hat.

Fazit

Ein Job als Angestellter ist in unserer heutigen Gesellschaft zur unsichersten Art geworden, Geld zu verdienen. Das Stützen auf eine einzige Einkommensquelle ist alles andere als sicher. Zahllose Beispiele in der Vergangenheit haben bewiesen, dass Stellenabbau auch dann stattfindet, wenn Unternehmen satte Gewinne erwirtschaften. Lass dich nicht von Zauderern und Sicherheitsfanatikern einschüchtern. Viele der Argumente sind schlichtweg falsch.

von Ralf
Seit Abschluss seines Designstudiums im Jahr 2009 ist Ralf erfolgreich als freiberuflicher Designer tätig. Daneben ist er Autor des Blogs freiberufler-werden.de.

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