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Die Zukunft der Freelancer: Mehr Wettbewerb durch Digitalisierung

Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran. Das Internet beflügelt Geschäftsmodelle, die zum Teil in scharfem Wettbewerb zu unserer freiberuflichen Tätigkeit stehen. Wie sehen solche Geschäftsmodelle aus? Was bedeutet dies für unsere freiberufliche Zukunft? Wo liegen die Herausforderungen und was können wir entgegensetzen? Die Zukunft der Freelancer, darum geht es in diesem Beitrag.

Wie die Welt in zehn oder zwanzig Jahren aussieht kann wohl niemand vorhersagen. Es gibt jedoch interessante Entwicklungen, die wir schon jetzt beobachten können. Demzufolge lassen sich auch aus heutiger Sicht schon relativ deutliche Zukunftsszenarien ableiten. Besonders in der Kreativbranche sehe ich Trends, die den wirtschaftlichen Erfolg eines klassischen Freiberuflers immer stärker auf die Probe stellen.

Stockportale boomen

Das Internet ermöglicht einen nie dagewesenen Zugang zu digitalen Inhalten. Früher gab es ClipArt CDs. Heute gibt es Stockportale. Stockcontent ist nichts Neues. Mithilfe des Internets ist jedoch der Zugang deutlich einfacher geworden. Der Kunde kann mit wenigen Klicks auf unzählige Bilder, Musikstücke, Grafiken oder Quellcodes zugreifen. Stockportale bieten inzwischen Millionen solcher Inhalte. Die Chance ist groß, dass der Kunde den für ihn passenden Inhalt kauft, statt einen Freelancer für die Erstellung zu beauftragen.

Globale Freelancer–Projektbörsen

Natürlich lassen sich nicht alle Aufgaben mit vorgefertigten Inhalten aus Stockportalen lösen. Für individuellere Projekte gibt es im Internet Freelancer–Projektbörsen. Dort finden sich logischerweise nicht nur Freelancer aus Industrieländern. Auch Freelancer aus Niedriglohnländern sind vertreten. Durch geringere Lebenshaltungskosten schaffen es Freelancer aus Niedriglohnländern naturgemäß die gleiche Leistung zu deutlich günstigeren Preisen anzubieten. Dies wird insbesondere bei der Projektbörse »Fiverr« deutlich. Hier gibt es die Leistungen eines Designers, Programmierers oder Texters schon ab 5$. Alle 5 Sekunden wird eine Dienstleistung gebucht. Inzwischen wurden schon über 25 Millionen Projekte umgesetzt (Quelle: Fiverr Stand 4/2017). Das Geschäftsmodell boomt. Somit stehen wir zunehmend im Wettbewerb zu anderen globalen Anbietern. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Sicherlich finden wir als Freelancer gute Gründe, die gegen solche Dumpingpreise sprechen.

Am Ende wird trotzdem der Markt entscheiden. In vielen anderen Branchen ist die Steigerung der Profitabilität durch den günstigen Einkauf im Ausland schon viel weiter fortgeschritten. Oder trägst du gerade ein T-Shirt, welches in Deutschland produziert wurde? Wir müssen für diesen Trend eine gute Antwort finden, um nicht den Großteil unserer Aufträge an Anbieter aus dem Ausland zu verlieren.

Crowdsourcing

Beim Crowdsourcing schreiben Unternehmen öffentlich Projekte aus. Im Rahmen eines Wettbewerbs können dort mithilfe des Internets unzählige Freelancer mitmachen. Die beste Idee gewinnt das Preisgeld. Alle anderen gehen mehr oder weniger leer aus. Der Auftraggeber hat im Vergleich zur direkten Beauftragung eines Freelancers gleich mehrere Vorteile. Der Auftraggeber erhält eine Vielzahl von Konzepten. Verglichen mit dem zeitlichen Aufwand den alle Teilnehmer in Summe aufbringen, ist der vom Auftraggeber gezahlte Preis sehr gering. Die Sicherstellung der Konzeptqualität erfolgt durch das Rating der Teilnehmer auf der Crowdsourcing– Plattform.

Unterm Strich erhält der Auftraggeber also eine große Auswahl an Ideen zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Das alles inklusive einer ersten Auswertung zur Markttauglichkeit der Konzeptidee, was durch das User–Ranking sichergestellt wird. Welcher Freelancer kann diese Vorteile aus eigener Kraft überbieten?

Do-It Yourself mit Webanwendungen

Leistungsfähige Webbrowser und Webtechnologien ermöglichen die Programmierung sehr komplexer Webanwendungen. Viele Anwendungen im Web sind inzwischen auf sogenanntem »Desktop–Class–Niveau«. Solche Anwendungen werden zunehmen mit den Leistungen eines Anbieters verknüpft. Durch diese Verknüpfung fallen Arbeitsschritte weg, die zuvor von einem Freelancer bearbeitet wurden.

Dazu zählen beispielsweise sogenannte Homepagebaukästen, wie z.B. bei Jimdo oder 1&1. In einem Onlineeditor kann der Kunde relativ einfach per Drag & Drop seine Website zusammenklicken. Domainregistrierung und Einrichtung des Webspace wird von den Anbietern gleich mit übernommen. Für diesen Schritt ist nicht mehr zwingend ein Webdesigner oder Programmierer erforderlich.

Ebenso ist das auch bei Druckereien. Der Kunde kann für einen Flyer eine Vorlage wählen und diesen mithilfe der Webanwendung nach seinen Vorstellungen anpassen. Er braucht dazu keine teure Designsoftware. Da die Software direkt an die Druckerei gekoppelt ist, sitzen Falze und Schnittmarken garantiert an der richtigen Stelle. Auch für diesen Schritt wird nicht mehr zwingend ein Experte benötigt.

D.h. Webanwendungen werden durch den technologischen Fortschritt immer ausgefeilter und effizienter. Sie automatisieren Prozesse, die wir vielleicht aktuell beim Kunden noch als Arbeitszeit anrechnen können. Ob das auch in Zukunft so sein wird darf bezweifelt werden.

Fazit

Trübe Aussichten, Weltuntergang? Nein! Ich möchte dir mit diesem Beitrag nicht den Tag versauenJ. Es gibt viele Möglichkeiten wie wir diesen Entwicklungen begegnen können, um unsere Existenz als Freelancer zu sichern. Sicherlich hat jeder seinen ganz individuellen Lösungsweg.

Ich persönlich versuche die Möglichkeiten des Internets nicht als Gefahr zu sehen, sondern nutze diese zu meinem Vorteil. So stellen grafische Vorlagen auf Stockportalen für mich keine Konkurrenz dar. Ich verkaufe selbst Grafiken auf Stockportalen und generiere mir dadurch als Freelancer ein zusätzliches Einkommen.

Gegen Preisdumping durch internationale Freelancer–Projektbörsen helfen gute, vertrauensvolle und langjährige Geschäftsbeziehungen zum Kunden. Etablierte Freelancer können bis zu einem gewissen Grad mit der Loyalität ihrer langjährigen Kunden rechnen. Doch was machen Neueinsteiger? Den Preis eines Freelancers in einem Niedriglohnland werden wir kaum unterbieten können.  Wir müssen nach starken Alleinstellungsmerkmalen für unsere freiberufliche Tätigkeit suchen, sodass der Kunde gerne bereit ist einen höheren Preis zu zahlen. Manche Freelancer haben ihr Alleinstellungsmerkmal schon gefunden. Wie begegnest du als Freelancer diesem Wandel?

von Ralf
Seit Abschluss seines Designstudiums im Jahr 2009 ist Ralf erfolgreich als freiberuflicher Designer tätig. Daneben ist er Autor des Blogs freiberufler-werden.de.

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