Freiberufliche Nebentätigkeit: Was es zu beachten gilt!

Wie muss ich mich versichern? Was muss ich beim Arbeitgeber beachten? Wie wird meine freiberufliche Nebentätigkeit steuerlich behandelt? In diesem Beitrag möchte ich dir Antworten auf die wichtigsten Fragen liefern, die es für deine freiberufliche Nebentätigkeit zu beachten gilt.

Wie muss ich mich versichern? Was muss ich beim Arbeitgeber beachten? Wie wird meine freiberufliche Nebentätigkeit steuerlich behandelt? In diesem Beitrag möchte ich dir Antworten auf die wichtigsten Fragen liefern, die es für deine freiberufliche Nebentätigkeit zu beachten gilt.

Muss ich dem Arbeitgeber über meine freiberufliche Nebentätigkeit informieren?

Deinen Arbeitgeber musst du über deine freiberufliche Nebentätigkeit nur informieren, wenn dein Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel enthält. Eine solche Klausel ist allerdings in den meisten Arbeitsverträgen vorhanden. Beamte müssen einen Nebenjob in jedem Fall genehmigen lassen. Details zu diesem Thema und wie du deinen Arbeitgeber von deiner Nebentätigkeit überzeugen kannst findest du in meinem Beitrag »Nebenberuflich selbstständig: Was erlaubt der Arbeitgeber?«

Wie viel Zeit darf meine freiberufliche Nebentätigkeit in Anspruch nehmen?

Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein sollte die Kombination aus Hauptjob und Nebenjob mit dem Arbeitszeitgesetz im Einklang stehen. In §3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG)ist definiert, dass die maximale Arbeitszeit zehn Stunden pro Tag nicht überschreiten darf. Arbeitest du also acht Stunden in deinem Hauptjob dürftest du streng genommen nur noch maximal zwei Stunden für deine freiberufliche Nebentätigkeit aufbringen. In der Praxis ist dies aber nur schwer zu kontrollieren. Allerdings wird es zum Problem, wenn du dich regelmäßig überarbeitest und deinem Arbeitgeber auffällt, dass du nicht mehr die volle Leistung am Arbeitsplatz bringst. Deine freiberufliche Nebentätigkeit darf deine Haupttätigkeit nicht einschränken.

Muss ich mich neben meinem Hauptjob zusätzlich versichern?

Solange deine freiberufliche Nebentätigkeit nur in einem geringen Umfang erfolgt, bist du nicht verpflichtet Sozialversicherungsbeiträge abzuführen. Der Umfang bemisst sich an der investierten Zeit und am Einkommen. Übst du deine freiberufliche Nebentätigkeit nach den Vorgaben eines Minijobs (geringfügige Beschäftigung) aus, musst du keine Beiträge an die Kranken,- Pflege- und Arbeitslosenversicherung abführen, die über die Beiträge deines Hauptjobs hinausgehen.

In jedem Fall ist eine freiberufliche Nebentätigkeit als Minijob rentenversicherungspflichtig. Die zusätzlichen Beiträge muss dein Arbeitgeber an die Rentenversicherung abführen. Die entsprechende Differenz musst du natürlich zahlen. Bei einem Verdienst aus deinem Nebenjob 450 € pro Monat sind das ca. 17€ monatlich (Stand 2019).

Geht deine freiberufliche Nebentätigkeit über die Einkommensvorgaben eines Minijobs hinaus, so fallen in der Regel alle weiteren Sozialversicherungsbeiträge an.

Was gibt es bei einer freiberuflichen Nebentätigkeit im Zusammenhang mit der Künstlersozialversicherung zu beachten?

Künstler und Publizisten können sich zu vergünstigten Konditionen bei der Künstlersozialkasse versichern. Auch hier gibt es ein paar Vorgaben zu beachten, wenn eine künstlerische Tätigkeit im Nebenjob ausübt. Zunächst einmal besteht keine Versicherungspflicht für die  Kranken- und Pflegeversicherung, wenn aufgrund der Arbeitnehmertätigkeit Versicherungspflicht besteht. Quelle: KSK

Anders sieht das allerdings aus, wenn die KSK die künstlerische / publizistische Tätigkeit als hauptberuflich ansieht. Das ist dann der Fall, wenn die Einnahmen der künstlerisch/publizistischen Tätigkeit die Einnahmen der Festanstellung übersteigen.

Muss ich Sozialversicherungsbeiträge zahlen, wenn ich im Rahmen einer Familienversicherung über meinen Partner mitversichert bin?

Auch in diesem Fall hängt die Abführung zusätzlicher Versicherungsbeiträge von der Höhe des Einkommens ab. Die Einkommensgrenze wird in der Regel jedes Jahr neu festgelegt. Im Jahr 2019 liegt diese Grenze bei 445€ pro Monat. 

Wichtig: Zum Einkommen zählt nicht nur dein Gewinn aus der freiberuflichen Nebentätigkeit sondern auch Zinserträge aus Geldanlagen wie Aktien und Fonds die dein Sparerpauschbetrag von aktuell 801€ übersteigen.

Was gibt es beim Versicherungsschutz noch zu beachten?

Die private Haftpflichtversicherung deckt keine Schäden die im Rahmen der freiberuflichen Nebentätigkeit entstanden sind. Dafür benötigst du zusätzliche Versicherungen. Zu den wichtigsten Versicherungen zählen die Berufshaftpflicht- und die Betriebshaftpflichtversicherung. Zu beiden Versicherungsarten habe ich bereits detaillierte Blogartikel veröffentlich und dir oben entsprechen verlinkt.

Die wichtigsten Unterschiede beider Versicherungsarten möchte ich dir hier trotzdem kurz darstellen:

Die Betriebshaftpflichtversicherung deckt Personen– und Sachschäden ab. Die Versicherung zahlt, wenn du beispielsweise ein Gerät deines Kunden beschädigt hast.

Die Berufshaftpflichtversicherung dient in der Regel zur Abdeckung von Vermögensschäden.

Beispielsweise wenn ein Kunde aufgrund deiner fehlerhaften Arbeit einen Imageschaden, oder einen Verdienstausfall erleidet. Die Berufshaftpflichtversicherung leistet dann finanziellen Ausgleich.

Je nach Art deiner Tätigkeit kann auch eine betriebliche Rechtsschutzversicherung sinnvoll sein, um eventuelle Prozesskostenrisiken abzusichern.

Wann ist meine freiberufliche Nebentätigkeit steuerfrei?

Im Rahmen des sogenannten Härteausgleichs darfst du steuerfrei Geld nebenbei verdienen. Das sind nach Abzug aller Kosten allerdings nur 410 Euro pro Jahr, die du steuerfrei hinzu verdienen darfst. Das ist nicht wirklich viel!

Außerdem gibt es noch die Übungsleiterpauschale. Voraussetzung ist, dass du deine Tätigkeit in einer gemeinnützigen, kirchlichen oder öffentlich rechtlichen Körperschaft ausübst. Ein praktisches Beispiel für eine solche Tätigkeit als Freiberufler wäre die Kursleitung an einer Volkshochschule. Die dort erhaltene Vergütung ist bis zu einem Betrag von 2.400 € pro Kalenderjahr steuerfrei. Ähnliches gilt für ehrenamtliche Tätigkeiten mit einem Freibeitrag bis 720 €. 

Abschließend möchte ich noch den Grundfreibetrag erwähnen. Der liegt für Ledige bei aktuell (2019) 8.652 € und für Verheiratete bei 17.304 € pro Kalenderjahr. Sollte dein Gesamteinkommen unter dieser Grenze liegen so fallen ebenfalls keine Steuern auf deine Nebentätigkeit an.

Fazit

Ich hoffe dieser Beitrag hat dir Antworten zu deinen Fragen für die freiberufliche Nebentätigkeit geliefert. Er beinhaltet die aus meiner Sicht wichtigsten Informationen bezüglich Steuern, Sozialabgaben und Arbeitsrecht. Falls du auf eine erfolgreiche Selbstständigkeit im Haupterwerb hinarbeitest solltest du dich jedoch nicht durch die gering bemessenen Freigrenzen für Steuern und Sozialabgaben ausbremsen lassen. Gib Alles und werde erfolgreich! Dabei helfen dir auch meine kostenfreien Beiträge in anderen wichtigen Themenbereichen wie z.B. Marketing, Finanzen, Management und Vertrieb. Alle Beiträge findest du auf meinem Blog. Falls du mit deiner Selbstständigkeit richtig durchstarten möchtest, empfehle ich dir abschließen noch mein Programm »Selbstständig in 25 Tagen«. Dort findest du die wichtigsten Infos zum Start in die Selbstständigkeit in einer einzigartigen Challenge mit täglichen Aufgaben. Ich wünsche dir viel Erfolg!

9 Kommentare

Hallo Ralf Vielen Dank für die super Informationen und deren zusammenfassung.

Folglich auf meine Person, volle Erwerbstätigkeit möchte nebenbei Grafiken erstellen auf Kundenwunsch Youtube, Logos,fleyer etc….

Nach deinem Artikel wäre das dann der Antrag beim Finanzamt dann bitte auf Künstler Einstufung Rechnung Erstellung zu 7% Verteuerung da Erschaffung und Umsetzung von Inspiration. Dann Anmeldung als Nebentätigkeit Freiberufler sowie Arbeitergeber meldung…. Soweit habe ich alles oder?

Andere Frage ist muss ich Gewerbesteuer zahlen?

Wie muss ich meine Gewinne versteuern? 7% oder persönlicher Steuersatz wie bei der Hauptbeachäftigung.?

Danke dafür

Beste Grüße benny

Hallo Benny,
darf ich fragen, wie du auf 7% kommst.
Wenn du die Mehrwehrsteuer meinst, dann wären das 19% oder du nimmst die Kleinunternehmerregelung in Anspruch, dann musst du deinen Kunden keine Mehrwertsteuer in Rechnung stellen.

Wenn du Grafiken erstellst bist du in der Regel Freiberufler. Das heißt, dass du keine Gewerbe anmelden musst und entsprechend auch keine Gewerbesteuer zahlen musst.

Deine Gewinne werden am Ende des Jahres zu den Einnahmen deiner hauptberuflichen Tätigkeit in der Steuererklärung addiert. Von diesem Gesamtbetrag wird dann deine Einkommensteuer berechnet.

Hoffe ich konnte dir helfen.

Beste Grüße,
Ralf

Guten Tag,
ich bin verzweifelt, weil keiner gibt mir die richtige Infos und alle wollen nur ihre Leistungen verkaufen.
Was ich hier gelesen habe hat mich schon ein bisschen getröstet. Es ist mir aber immer noch nicht alles ganz klar.
Ich arbeite im Hauptberuf und möchte als Freiberufler – Künstler tätig werden. Ich möchte es aber in kleinen Rahmen haben und behalten.
Könnte ich mich mit jemanden darüber unterhalten? Ich hätte einige Fragen. Es geht um Einkommen, Steuer, Rechnungen schreiben usw.
Vielen Dank im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
Peter

Hallo Peter,
eine umfassende Beratung zu deiner individuellen Situation kann ich dir nicht anbieten, da ich ja bekanntlich kein Steuerberater bin.
Vielleicht können dir meine Beiträge weiterhelfen. Wenn die Beratung kostenfrei sein soll, könntest du es noch bei öffentlichen Stellen probieren.
Für Steuerfragen kannst du mal beim Finanzamt nachfragen.

Viele Grüße und viel Erfolg,
Ralf

Hallo lieber Ralf,
man liest auf vielen Seiten so viel verschiedenes. Habe ich das in deinem Artikel richtig verstanden, dass meine Einnahmen über meine freiberufliche Tätigkeit (Synchronsprecherin) meinen Lohn in der hauptberuflichen Festanstellung überschreiten darf? Ich meine, das ist besonders dann relevant, wenn man eines Tages seine nebenberufliche Tätigkeit zum Hauptberuf machen möchte.
Vielen Dank schonmal.

Hi,
ich hoffe ich verstehe dein Kommentar richtig. Die Einnahmen aus der freiberuflichen Tätigkeit dürfen natürlich auch höher sein als die Einnahmen des Haupterwerbs. Zu beachten ist nur, dass du dann auch die Sozialversicherungsbeiträge entsprechend zahlen musst, weil sich diese dann an deinem Gesamteinkommen (Haupterwerb + freiberufliche Tätigkeit) messen.

Außerdem musst du darauf achten, die Wochenarbeitszeit in Summe nicht die gesetzlichen Regeln (wie im Beitrag erwähnt) übersteigt.

Ein letzter Punkt noch. Falls du deine freiberufliche Tätigkeit über die Künstlersozialkasse versichern möchtest, würde das mit dem zusätzlichen Haupterwerb aller Voraussicht nach nicht möglich sein.

Ich finde es aber cool, dass du dir schon solche Fragen stellst. Das zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist.
Liebe Grüße,
Ralf

Vielen Dank für die Antwort! Das war genau meine Frage. Super, dann sehe ich die Zukunft schon ein wenig klarer. Danke für deine Hilfe.

Super Beitrag! Danke! Wie sieht es denn mit den steuerlich absetzbaren Ausgeb aus? Als selbstständiger gibt es ja auch die Möglichkeit z.b. das Bürozimmer abzusetzen (Strom, Renovierung, Bürobedarf etc.). Gilt das auch wenn man freiberuflich nur geringfügig (regelmäßig unter 450 € monatl., Kleinunternehmerregelung) und nur als Nebenjob tätig ist? Oder gibt es da Unterschiede wenn es nicht der Hauptberuf ist? LG Kai

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