Mittelfristige Finanzplanung: In 3 einfachen Schritten aus dem finanziellen Chaos!

Erstellst du als Freiberufler regelmäßig Finanzpläne? Okay, ich gebe zu, das Thema »mittelfristige Finanzplanung« klingt nicht so sexy. Dennoch halte ich es für ein ausgesprochen wichtiges Thema. Ich erstelle Finanzpläne, weil sie mir die Planung und Kontrolle meiner freiberuflichen Tätigkeit erleichtern. Wie ich als Freiberufler beim Erstellen einer mittelfristigen Finanzplanung (mittelfristig = mehrere Monate bis 1 Jahr) vorgehe, möchte ich dir in diesem Beitrag zeigen. Es ist gar nicht kompliziert.

Bevor ich so richtig loslege, suche ich mir eine nette Umgebung. Zwischen Aktenbergen auf dem Schreibtisch macht Finanzplanung wenig Spaß. Oft gehe ich mit meinem Notizbuch, Smartphone oder iPad in ein Café, um ein kreatives Umfeld zu schaffen. Schließlich geht es bei der Finanzplanung nicht nur um das Zusammentragen von Rechnungen. Mithilfe einer mittelfristigen Finanzplanung definiere ich auch Ziele für meine Zukunft als Freiberufler. Dazu brauche ich eine kreative Umgebung.

1. Grundlage für eine mittelfristige Finanzplanung: Die Bestandsaufnahme

Im ersten Schritt trage ich alle Vermögenswerte zusammen. Was besitze ich? Welche Rechnungen sind noch offen? Welche Zahlungen stehen noch aus?

Konkret sieht meine Berechnung so aus:

Summe der Bankguthaben (inkl. Depots, Giro- und Tagesgeldkonten)
+ Rechnungen, die von Kunden noch gezahlt werden
+ Guthaben auf Onlineportalen (Iconfinder, Amazon etc.)
– ausstehende Zahlungen
vorhandenes Vermögen

Guthaben mit langen Sperrfristen (z.B. Festgeldkonten) nehme ich nicht in die Rechnung auf, weil dieses Guthaben nicht sehr liquide ist.

Am Ende dieser Berechnung steht eine Zahl. Im Idealfall ist die Zahl positiv.

Sobald ich mein Guthaben kenne, weiß ich auch, wie lange mein »finanzieller Atem« ist. Da ich grob meine Ausgaben kenne, bekomme ich ein erstes Gefühl dafür, wie lange ich meine freiberufliche Tätigkeit weiterführen kann, auch wenn ein Worst-Case-Szenario eintritt. Nämlich keine Einnahmen z.B. durch längere Erkrankung.

Am Ende des ersten Schritts kenne ich exakt die Höhe meines Vermögens. Außerdem habe ich eine erste grobe Vorstellung davon, wie lange ich in einem Worst-Case-Szenario (keine Einnahmen) überleben könnte.

2. Künftige Ausgaben ermitteln

Nun will ich es genau wissen. Wie hoch sind meine geplanten Ausgaben im nächsten Jahr? Natürlich lässt sich dieser Betrag nicht auf den Euro genau ermitteln. Viel wichtiger ist es für mich, möglichst alle Arten von Ausgaben zu erfassen.

Dazu zählen:

  • Miete
  • Nebenkosten
  • Versicherungen (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Haftpflicht, Hausrat etc.)
  • Lebenshaltungskosten (Lebensmittel, Kleidung, Medikamente etc.)
  • Kosten für Steuerberater
  • Kosten für Internet und Telefonie
  • Kfz-Kosten
  • Steuervorauszahlungen
  • GEZ
  • Mitgliedsbeiträge
  • Sparrate (z.B. für private Altersvorsorge)
  • Rücklagen für ungeplante Ausgaben
  • Wareneinsatz (Druckkosten, Bildlizenzen, Firewall- & Backup-Lösungen etc.)

Meine Ausgaben versuche ich immer, relativ exakt zu planen. Mit hoher Wahrscheinlich sieht deine Liste etwas anders aus.

Die Fixkosten lassen sich mit Ausnahme der Lebenshaltungskosten relativ gut kalkulieren. Um auch die Lebenshaltungskosten kalkulierbarer zu machen, nutze ich einen Trick aus meiner Kindheit. Ich zahle mir jeden Monat ein festes monatliches Taschengeld. Um die Höhe des „Taschengeldes“ zu ermitteln, habe ich über drei Monate ein Haushaltsbuch geführt und haargenau jede Ausgabe festgehalten. Aus dem Mittelwert der drei notierten Monate habe ich die Höhe meines „Taschengeldes“ festgelegt.

Am Ende des zweiten Schritts der mittelfristigen Finanzplanung erkenne ich durch die Höhe meiner Ausgaben, wie viel ich pro Monat als Freiberufler mindestens verdienen muss. In Verbindung mit dem ersten Schritt, in dem ich mein Vermögen ermittelt habe, weiß ich an dieser Stelle relativ genau, wie lange ich selbst ohne Einnahmen überleben könnte. Dazu gibt es eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die sogenannte Cash-Burn-Rate.

Beispiel:

Das Vermögen beträgt 32.000 EUR. Monatlich werden 1.600 EUR benötigt.

Cash-Burn-Rate = 32.000 EUR / 1.600 EUR = 20

D.h., nach 20 Monaten wäre ich ohne weitere Einnahmen pleite. Oder netter formuliert: Ich kann meine freiberufliche Tätigkeit weiterführen, auch wenn ich 20 Monate keine Einnahmen erziele.

3. Künftige Einnahmen planen

Deutlich schwerer als die Planung der Ausgaben finde ich die Planung der künftigen Einnahmen. Ausgaben lassen sich deutlich besser steuern als Einnahmen. Dir geht es bestimmt genauso, oder? In meinen ersten Jahren als Freiberufler haben die Einnahmen ganz extrem geschwankt. Zum Teil ist das auch heute noch so. Da ich leider keine Kristallkugel besitze, die mir die Zukunft vorhersagt, muss ich zu anderen Mitteln greifen.

Weil ich meine freiberufliche Tätigkeit schon länger ausübe, verwende ich für eine mittelfristige Finanzplanung oft einen Mittelwert aus den letzten drei Jahren.

Um meine Einnahmen noch besser planen zu können, akquiriere ich zusätzlich Aufträge mit regelmäßigen Zahlungsvereinbarungen. Konkret heißt das: Als Grafikdesigner gestalte ich beispielsweise Zeitschriften und Magazine, die monatlich erscheinen. Sicherlich gibt es noch mehr Möglichkeiten.

Auch Verkäufe in Onlineshops liefern mir regelmäßige Einnahmen. Das Coole daran: Je mehr Produkte ich in einen Onlineshop einstelle, desto mehr Einnahmen erhalte ich. Das heißt, ich kann in meine mittelfristige Finanzplanung auch einen gewissen Anstieg der Einnahmen aus Onlineshops einplanen.

Konkret sieht die Planung meiner monatlichen Einnahmen wie folgt aus:

Mittelwert nicht eingeplanter Kundenaufträge der letzten drei Jahren / 12
+ sichere monatliche Einnahmen von Kunden
+ monatliche Verkäufe in Onlineportalen
= geplante monatliche Einnahmen

Schön ist es, wenn die geplanten Einnahmen die Ausgaben bereits in der Kalkulation decken. Das sorgt für einen ruhigeren Schlaf. Um deine Einnahmen besser planen zu können möchte ich dir noch den folgenden Beitrag empfehlen: »Verflixte Umsatzplanung: 3 Strategien für ein planbares Grundeinkommen«

Fazit

Mit diesen 3 Schritten plane ich jedes Quartal die Zukunft meiner freiberuflichen Tätigkeit. Mittelfristige Finanzplanung klingt nach viel Excel, Tabellen und Charts. Für eine erste Orientierung reichen Stift und Papier, obwohl Tabellenkalkulations-Programme für eine mittelfristige Finanzplanung natürlich sehr hilfreich sein können. Im Kern geht es aber lediglich darum, herauszufinden, ob eine freiberufliche Tätigkeit über einen längeren Zeitraum profitabel ist oder ob sie in die Schuldenfalle führt. Die Erkenntnisse aus meinem Finanzplan bilden außerdem die Grundlage für die Definition meiner künftigen Ziele.

Ich hoffe, ich konnte auch dich mit diesem Beitrag zum Erstellen eines Finanzplans motivieren. Hier noch ein kleines Zitat, um deine Motivation zu stärken: »Es ist keine Schande, pleite zu sein. Es ist aber eine Schande, nicht zu wissen, wann man pleite ist.«

Nun kennst du meine Strategie zur mittelfristigen Finanzplanung. Wie lautet deine Strategie? Schreibe es gerne in die Kommentare!

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